Pressemitteilung des Stadtverbands: Hecke: Verzicht auf Abschulungen zwingend

  • Veröffentlicht am: 4. Juni 2020 - 16:13

Hecke: Verzicht auf Abschulungen pädagogisch und rechtlich zwingend

GRÜNE appellieren an Stadt, Land und hannoversche Schulen

Angesichts des massiven Unterrichtsausfalls durch die Corona-Pandemie fordert der Stadtverband von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Gymnasien und Realschulen in Hannover zum Verzicht auf sogenannte Abschulungen auf. Für den Vorsitzenden Ludwig Hecke ist eine solche Entscheidung zwingend: 

„Besonders in der aktuellen Ausnahmesituation halte ich die Abschulung mit Überweisung an eine andere Schulform nicht für vertretbar - weder pädagogisch noch rechtlich. Kinder und Jugendliche mit schulischen Schwierigkeiten dürfen in der Pandemie nicht zusätzlich bestraft werden.“ 

Im laufenden zweiten Halbjahr falle in den Klassen 6 bis 8 über die Hälfte des regulären Unterrichts aus – dies gehe besonders zu Lasten der Schüler*innen mit besonderem Unterstützungsbedarf, vor allem aus bildungsfernen Familien. Es sei daher hoch problematisch, auf Grundlage dieses Schuljahres in der Versetzungskonferenz eine Abschulungsentscheidung zu treffen. Von den Schüler*innen bis zum Schuljahresende kurzfristig ein Nachholen des ausgefallenen Stoffs zu erwarten, sei „trotz des großen individuellen Engagements der Lehrkräfte schlicht unrealistisch“.

Hecke fordert das Niedersächsische Kultusministerium zu einer klaren Haltung in dieser Frage auf: „Minister Tonne muss den Schulen Handlungssicherheit geben – es geht um frühzeitige Klarheit für Schüler*innen, Eltern und Lehrkräfte.“ Zudem bittet Hecke die Stadt Hannover als Schulträgerin, Gespräche mit den Schulleitungen von Gymnasien und Realschulen zu führen und auf einen Verzicht von Abschulungen hinzuwirken.

Hintergrund: Das Niedersächsische Schulgesetz regelt in § 59, Absatz 4, dass die Versetzungskonferenz einer Schule Schüler*innen, die oder der zweimal nacheinander oder in zwei aufeinanderfolgenden Schuljahrgängen nicht versetzt worden ist, an die Schule einer anderen geeigneten Schulform überweisen kann. In Hannover lag laut dem Kommunalen Schulentwicklungsplan 2020 die Zahl der Schulformwechsel zwischen den Schuljahren 2018/19 und 2019 / 20 aus Gymnasien bei 309 und den Realschulen bei 158 Schüler*innen Diese Praxis wird seit Jahren wegen ausgesprochen negativer pädagogischer Auswirkungen kontrovers diskutiert.